Es ist unbeschreiblich, wie viele (Hobby)Fotografen sich keine Gedanken über die Sicherheit ihrer Fotos machen. Backups werden nur unregelmäßig, wenn überhaupt gemacht. Die Zusatzkosten müssen natürlich irgendwie bestritten werden, aber wenn es professionell wird, sind auch rechtliche Vorschriften einzuhalten. In diesem Beitrag möchte ich einige Möglichkeiten aufzählen – passend für jedes Budget bzw. jeden Grad der Professionalität.

Was ist zu sichern

Damit ein guter und wirksamer Backupplan erstellt werden kann, muss klar sein, welche Daten zu sichern sind. Grundsätzlich sollten alle Daten gesichert werden, deren Verlust ein problemloses Weiterarbeiten in der Zukunft verhindern würden. Das inkludiert:

  • alle Fotos (RAW-Dateien, entwickelte Fotos etc.)
  • Lightroom-Ordner
  • Div. Verträge mit Models, Agenturen etc.
  • E-Mails
  • Blog-Daten, Layouts

Ich empfehle wirklich intensiv darüber nachzudenken. Welche Daten finden sich wieder im Internet, wenn die eigene Festplatte kaputt ist, welche Daten sind unwiederbringlich verloren?

Allgemeine Tipps

Datenmenge reduzieren

Ganz wichtig, nicht nur für die tägliche Arbeit mit Fotos, sondern auch für Backups ist das Löschen von Fotos. Je weniger Fotos vorhanden sind, umso weniger relevante Daten fallen für ein Backup an. Ein Aufräumen bietet sich schon bei der ersten Übernahme der Fotos an, spätestens, beim Durchsehen in z.B. Lightroom können Bilderserien, HDRs etc. bereinigt werden.

Offline-Datensicherung

Es sollte mindestens eine Version der Backup-Daten auf einem Medium vorhanden sein, das nicht ständig im Netz hängt. Dadurch können Ransom-Infektionen vermieden werden. Bei Bedarf können dieses wiederhergestellt werden und es gibt nur minimale Datenverluste.

Backup-Varianten

Nachfolgend gehe ich auf einzelne Backup-Varianten ein. Ich möchte gleich vorweg nehmen, dass ich selbst auf ein NAS inkl. Backup-Platten als auch zwei externe Festplatten setze.

Externe Festplatte

Die wohl günstigste Variante ist eine externe Festplatte. Mit 120€ für 4TB (z.B. für eine Western Digital Elements) ist man ganz gut dabei. Mit einem Tool á la FreeFileSync können ganze Verzeichnisse ganz gut abgeglichen werden. Das ist besonders dann hilfreich, wenn man z.B. Fotos von der Kamera per Adobe Lightroom in einen Katalog importiert. Dabei werden nicht nur die Fotos kopiert (immer kopieren, niemals verschieben!), sondern auch Dateien im Katalog angelegt. Gesichert werden soll alles. Sync-Tools helfen beim Herausfinden, was sie geändert hat bzw. dazu gekommen ist.

Wichtig: Es empfiehlt sich die Verwendung einer zweiten Festplatte, welche in regelmäßigen Abständen eine vollständige Kopie der ersten externen Festplatte ist. Nur so kann man Datenverlust ausreichend vorbeugen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der muss allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.

Bei externen Festplatten ist unbedingt darauf zu achten, dass mindestens USB 3.0 unterstützt wird. Wenn auch der Computer USB 3.0 unterstützt erhöht das die Übertragungsgeschwindigkeit ungemein. Es könnte so sogar direkt auf der externen Festplatte gearbeitet werden.

Externe RAID-Festplatte

Wer eine höhere Datensicherheit haben möchte, der setzt auf ein RAID-System. Ein relative günstiges und zuverlässiges ist das Western Digital MyBook Duo. Dieses unterstützt mehrere RAID-Level und kann direkt an den Computer angeschlossen werden.

Grundsätzlich ist dabei zu achten, RAID-Level 0 nicht zu verwenden. Dabei werden Daten im Reißverschlusssystem auf mehrere Festplatten geschrieben, es besteht keine Redundanz, Daten können also verloren gehen.

Besser ist hier das RAID-Level 1, hier werden die Disks gespiegelt. D.h. stehen zwei Festplatten von jeweils 4 TB zur Verfügung (vereinfacht müssen die Festplatten gleich groß sein), dann könnten insgesamt 4TB an Daten gespeichert werden. Alle Daten liegen auf beiden Festplatten. Wird eine der beiden Festplatten kaputt, kann diese ersetzt und erneut durch die zweite Festplatte bespielt werden.

Die angegebene Lösung kann sowohl RAID 0 als auch RAID 1 und schlägt zum aktuellen Zeitpunkt mit 240€ zu Buche.

NAS

Wer einen Schritt weiter gehen möchte, höhere Ansprüche hat, oder Daten über ein Netzwerk zur Verfügung stellen möchte, der sollte auf ein NAS (Network Attached Storage) setzen. Hier kann ich zwei Hersteller empfehlen: Synology und QNAP. Beide Hersteller liefern solide Lösungen, laufende Updates und auch hervorragende Dokumentationen und Hilfestellungen (hier kann ich ganz besonders Synology empfehlen).

Was ist so besonders an einem NAS? Nun, es ist Teil des Netzwerkes. Jeder Teilnehmer kann darauf zugreifen (sofern er eine entsprechende Berechtigung hat). Das ist besonders dann wichtig, wenn man mehrere Rechner im gleichen Netzwerk hat bzw. mehrere Mitarbeiter, die mit den Fotos/Daten arbeiten.

Wichtig: Auch vom NAS empfiehlt es sich regelmäßig ein Backup zu machen. Idealerweise wird dieses auch extern gelagert um im Zweifelsfalle gegen Brände etc. abgesichert zu sein.

Synology bietet beispielsweise zahlreiche Werkzeuge an, um optimal auf das NAS zugreifen zu können. So gibt es die Cloud Station, damit funktioniert das NAS wie iCloud, Dropbox oder Google Drive. Zumindest, wenn man sich im eigenen Netzwerk befindet. Synology bietet allerdings auch die Möglichkeit, von außerhalb auf das eigene NAS zugreifen zu können.

Es gibt hier zahlreiche Systeme in unterschieldlichen Größen und Preisklassen. Vom 2-Schacht-System bis hin zu riesigen Flash Stations ist alles zu bekommen. Hier gilt es die richtige Balance zu finden. Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel. Es hängt sehr vom Datenaufkommen, dem gewünschten Sicherheitslevel und der notwendigen Performance ab.

Im Normalfall sind die Festplatten extra zu kaufen. Hier gibt es spezielle NAS-Festplatten (z.B. Western Digital Red). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie speziell für den Einsatz in NAS konzipiert sind und zusätzlich relative wenig Strom verbrauchen. Ich empfehle jedenfalls eine Variante zu nehmen, die zumindest 2-3 Jahre ausreichend ist.

Für mich ist derzeit noch eine Synology DS216+II ausreichend. Dieses NAS hat 2-Bays und kommt mit 2 Western Digital Red auf ca. 550 Euro. Ohne Festplatten ist mit ca. 330 Euro zu rechnen. 16 TB-Festplatten können hierfür verwendet werden. Meine nächste Anschaffung wird allerdings ein NAS mit 4 Schächten sein. Ins Auge gefasst habe ich die Synology 916+. Diese kommt ohne Festplatten auf ca. 570 Euro, bietet aber auch einiges an Performance.

Wichtig ist, dass auch ein Einsatz eines NAS keine 100%ige Sicherheit bietet, sondern auch hier dennoch ein Backup vorgenommen werden muss. Viele professionelle Fotografen syncen hier zwei NAS zwischen den Firmenräumlichkeiten und der privaten Umgebung.

Online-Backup

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Möglichkeit des Online-Backups. Hierzu stehen zahlreiche Dienste zur Verfügung. Im Endeffekt bestimmt die zu sichernde Datenmenge, welche Dienste genutzt werden können. Neben den weit bekannten Diensten á la Dropbox, Microsoft Onedrive und Google Drive, gibt es auch noch weiter spezialisierte Lösungen. Hier werden unter anderem Carbonite, CrashPlan und Backblaze häufig verwendet.

Der Nachteil: Der initiale Upload kann (je nach eigener Internetverbindung) sehr lange dauern. Der Vorteil liegt darin, dass eine eigene Infrastruktur nicht notwendig ist und auch von unterwegs ohne Zusatzlösung zugegriffen werden kann.

Fazit

Jeder sollte ein Backup-System haben, und wenn es nur das Kopieren der Daten auf eine externe Festplatte ist. Zumindest besteht ein rudimentärer Schutz. Wer professioneller Fotograf ist, der muss unbedingt für eine ausreichende Sicherung sorgen (siehe Aufbewahrungsfristen). Wie knausrig man sein mag: Wenn die Fotos weg sind, sind sie unwiederbringlich weg. Daher lieber vorher ein paar Euros investieren.