Man muss nicht zwangsweise in eine zig-tausend Euro Kamera investieren um gute Fotos zu machen. Natürlich hilft teures Equipment in bestimmten Situationen durchaus oder ermöglicht die Durchführung von außergewöhnlichen Vorhaben. Für den Alltagsgebrauch reiht es allerdings, einige wichtige Grundregeln einzuhalten.

Perspektive

Ganz ganz viele Fotos werden aus dem Stand gemacht. Das ist eine Perspektive, die jeder von uns über einen langen Zeitraum unserer wachen Zeit sieht. Entsprechend uninteressant ist sie auch. Um Fotos interessanter zu gestalten, empfiehlt es sich, diese von Positionen und Winkeln aufzunehmen, die wir nur sehr selten einnehmen. Dazu kann man sich gerne einmal hinknien oder hinlegen. Die Froschperspektive, also von unten nach oben, kann eine interessante Perspektive liefern.

Für alle Eltern da draußen noch ein kleiner Tipp: Fotografiert eure Kinder nie von oben, das ergibt einen sehr gebieterischen Eindruck. Bewegt euch auf die Höhe eurer Kinder und schon werden die Fotos viel angenehmer, interessanter und stellt zudem eure Kinder auf dieselbe Ebene.

Räumlichkeit

Fotos, die aus der Adlerperspektive aufgenommen werden, fehlt der Raum. Diese 2D-Abbildung ist für einige wenige Vorhaben in Ordnung (gerade wenn Fotografen ihre Foto-Bags abbilden z.B.). Meist werden Fotos jedoch viel interessanter empfunden, wenn eine Tiefe in den Bildern vorhanden sind. Ein wirklich gutes Mittel dazu sind Linien, die in den hinteren Raum führen.

Diese Linien lassen sich überall finden, ob es Straßen, Gehsteige, Geländer, Schienen oder Blumenbeete sind. Nutz man diese verschafft man seinen eigenen Fotos mehr Ausdruck.

Bildausschnitte variieren

Manche Situationen erfordern ein schnelles Abdrücken – da bleibt mitunter keine Zeit, die beste Perspektive und den besten Ausschnitt zu wählen. In vielen Situationen kann man sich das Motiv allerdings sehr wohl von unterschiedlichen Seiten ansehen, mal näher ran oder weiter weg gehen. Je nach Ausschnitt kann sich das Foto in seiner Aussagekraft total ändern.

In diesem Zusammenhang seien auch noch die Drittelung bzw. der Goldene Schnitt erwähnt, die – sofern sie zur Anwendung kommen – für ein äußerst angenehmes Bild für unsere Augen sorgen.

Tageszeit beachten

Am besten werden Fotos zu Randzeiten. Der Sonnenaufgang und frühe Stunden eigenen sich sehr gut, ebenfall späte Tagesstunden bis hin zur Goldenen Stunde vor Sonnenuntergang und der Blauen Stunde nach Sonnenuntergang. Meiden sollte man die Mittagssonne. Diese erzeugt besonders starke Schatten auf der einen Seite und ausgebrannte Flächen auf der anderen Seite. Beide möchte man so nicht haben. Für weicheres Licht also – wenn es geht – auf Vormittag oder Nachmittag ausweichen.

Hintergrund beachten

Je ruhiger der Hintergrund umso schöner wird das Foto. Ist der Hintergrund zu unruhig (Struktur, zu viele Farben), dann wirkt das gesamte Foto nervös. Ein ruhiger Hintergrund und ein klares Motiv ermöglichen es den Betrachter, sein Auge optimal zu lenken. Das Foto wird positiv bewertet, also für gut befunden.

Natürlich kann man sich den Hintergrund nicht immer aussuchen. Bei gestellten Fotos (Portraits z.B.) bietet es sich an, einen entsprechenden Hintergrund zu suchen und die Person allerdings mit etwas Abstand davor zu platzieren. Durch den Abstand des Motivs zum Hintergrund verschwimmt dieser leicht und hebt das Motiv (also die Person) hervor (Freistellung). Dazu muss der Abstand zwischen Smartphone und Motiv näher sein als der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund.

Raw-Modus

Manche Smartphones erlauben die Aufnahme der Fotos im sogenannten Raw-Modus. In der digitalen Fotografie setzt sich ein Foto aus zahlreichen Punkten zusammen. Im Raw-Modus wird jeder dieser Punkte mit Informationen zu Farbe, Helligkeit etc. abgespeichert. Viele Smartphones speichern Fotos jedoch im JPG-Format ab. Dabei handelt es sich um ein komprimiertes Format, d.h. es werden nicht alle Punkte einzeln abgespeichert, sondern in einer platzsparenden Variante. Der Unterschied ist nun, dass das Raw-Format dadurch viel mehr Bildinformationen enthält, die im Nachhinein mit einem Bildverarbeitungsprogramm weiter verarbeitet werden können. Bei JPG ist dies nur eingeschränkt möglich.

Kleine Veränderung am Foto (Belichtung, Kontrast, Klarheit, …) führen sehr schnell zu starken Verbesserungen und sollten unbedingt genutzt werden.

Eindeutiges Motiv

Eine der wohl wichtigsten Regeln: Das Foto muss ein klares Motiv besitzen. Das Auge muss sofort dorthin geführt werden. Wenn sich ein Foto wie ein Wimmelbuch anfühlt, das Auge von einer Stelle zur nächsten pendelt, dann ist der Sinn des Fotos nicht auszumachen.

Wer sich Gedanken darüber macht, was er wie fotografieren möchte, ist bereits einen riesigen Schritt weiter – unabhängig der verwendeten Kamera.

Fazit

Mit diesen einfachen Regeln (die sich fast immer kombinieren lassen) heben sich die eigenen Fotos in der Regel von einem Großteil aller Fotos ab. Gerade was die Perspektive und den Bildausschnitt betrifft darf man nicht faul sein und sollte unbedingt unterschiedliche Positionen und Einstellungen probieren. In der Regel macht sich das mit einem weit besseren Foto bezahlt. In diesem Sinne wünsche ich noch bessere Fotos und Gut Licht!